Richtiges bestellen.


 

Im Anschluss an eine ausgiebige Inselerkundung, hatte sich mehrheitlich ein allgemeiner Appetit auf den leckeren Kartoffelsalat aus dem nahegelegenen Imbiss breitgemacht.

 

Gemütlich zu Hause, oder besser gesagt, in der Ferienwohnung rumchillen und dabei was Gehaltvolles futtern. So lautete einheitlich der Wunsch der geschafften Wandertruppe. Also sollte es der inselgemachte Kartoffelsalat sein. Ohne Fleisch. Pur. Naja, vielleicht ein Spiegelei dazu.

 

Der Vater raffte sich kurzentschlossen auf und machte sich nochmals auf den Weg. Nur wenige hundert Meter waren es bis zum Imbiss um die Ecke.

 

Kaum eingetreten, wurde er von einer resolut wirkenden Verkäuferin empfangen. Sie warf einen bedeutungsvollen Blick auf ihre Armbanduhr und meinte recht lautstark:

 

„So, nun aber nur noch außer Haus, junger Mann!“

 

 „Ok, das trifft sich Prima! Dann hätte ich gern zwei Portionen Kartoffelsalat und einmal Bratkartoffeln zum mitnehmen.“ - Er hatte sich auf dem Hinweg, aus einer Laune heraus, nun doch für Bratkartoffeln entschieden.

 

„Das geht nicht!“

 

Ein ungläubiger Blick vom hungrigen Vater…

 

„Nein, das geht nicht, die kann ich so nicht verkaufen!“

 

Noch ein skeptischer Blick – „…Mhh, und wieso nicht?“

 

„Nein das geht nicht. Da müssen sie schon noch was dazu nehmen.“

 

Sein Blick streifte über die zwei Quadratmeter große Holztafel an der Wand. „Da steht aber doch: Kartoffelsalat für 2,80 Euro und Bratkartoffeln auch 2,80 Euro …“

 

„Ja, das sind aber nur Beilagen. Die werden nicht einzeln verkauft.“

 

Okay, dachte er völlig perplex, einen Versuch machst du noch: „Was müsste ich denn dazu nehmen, wenn ich zum Beispiel eine Bratwurst und eine doppelte Portion Kartoffelsalat bestelle, wäre...“

 

Sie unterbrach ihn:„Nein, sie müssen schon zu jeder Beilage etwas Richtiges bestellen.“

 

Er staunte nicht schlecht und meinte dann, immer noch ziemlich platt: „Aber sie brauchen doch nur ein wenig Kartoffelsalat in ein Schälchen…“

 

„Machen wir nicht!“

 

Ziemlich konsterniert und irgendwie auch sprachlos stand der Papa noch einen Moment vor der Ausgabetheke, um sich dann abrupt abzuwenden und mit beschleunigtem Schritt den Imbiss zu verlassen. An der Tür hinterließ er noch ein kopfschüttelndes: „Na dann. Tschüss!“

 

Er empfand dieses Verhalten ziemlich dämlich, ja beinahe unverständlich selbstschädigend. Einzig bei der Bestellung des „Menüangebotes“ bei McDonalds war ihm bisher einmal ein solcher Kombinationszwang untergekommen. Wobei er ziemlich sicher war, dass man auch dort alle Komponenten, bis hin zu Ketchup oder Mayonnaise, einzeln ordern konnte, wenn man es denn wollte.

 

Auf dem Rückweg fühlte er, wie sich innerlich, aus irgendeiner Ecke in der Nähe seines knurrenden Magens, unaufhaltsam der Begriff „Sättigungsbeilage“ aufdrängte. Jenes tiefgründige Wort aus der mittlerweile altvorderen DDR-Gastronomie. Das was satt machte, hieß damals „Sättigungsbeilage“: Also Kartoffeln, Nudeln, Reis, etc. pp.

Obwohl er diesmal überhaupt nichts dergleichen bekommen hatte, fühlte er sich trotzdem irgendwie „sattgemacht“.

 

Es könnte eventuell auch der Versuch eines aus dem Ruder gelaufenen "Ostfriesenscherzes" gewesen sein, überlegte er. Vermutlich war er jedoch an eine Person mit jahrelang verinnerlichter Gastbetreuung „Marke DDR“ geraten.

 

Hausgemachtes, ostfriesisches Rührei auf Vollkornbrot, stillte dann letztendlich den mächtigen Hunger der Mannschaft.

 

Auch sehr lecker!