Tante Käthes Klo

Etwas eng, etwas gelöste Tapete im unteren Bereich und Kalkriesel auf dem grauen Boden. An der Wand hängend, eine lange nicht genutzte Malerleiter als Ablage für die Klopapierreserve. Eine staubgefranste Badematte in Rottönen, feucht-klamm. Kein Fenster. Ein Klo in einer alten Mietshauswohnung in Wien, in der eine alleinstehende alte Dame wohnt.

 

Meine erste überraschende Begegnung erlebte ich Nachmittags beim Ziehen der Klospülung mit hochgeklapptem Deckel.Tosende Wasser gischteten durch das Becken, spritzten auf die feuchte Badematte und meine Beine hinauf, bis fast zum Bauch. Dies wirkte in der hochsommerlichen Hitze zwar augenblicklich erfrischend, aber dennoch war nun erstmal Duschen und Umziehen dran.

 

Dann, in der zweiten Hälfte der Nacht. Nackt tapsend, durch die Dunkelheit taumelnd und viel zu müde um die Uhr wahrzunehmen sind wir, also ich und einige halbe Liter helles und gemischtes Pils, auf dem finsteren Klo angekommen. Um mich und die Tapeten zu schonen, ertaste ich leicht schwankend die Klobrille und setze ich mich auf das kühle Teil. Ich bemühe mich sehr, nicht wieder einzuschlafen. Dann bin ich, vorsichtig mit einer leichten Drehung zur Spülkette hin, aufgestanden und, bei dem Versuch gleichzeitig den Deckel zu schließen, voll mit dem Ellenbogen gegen die Leiter geknallt. Den Klodeckel habe ich dabei nicht, die Spülung aber sehr wohl erwischt.

Und nochmal, wie schon am Nachmittag - die Zähne zusammenbeißen, Lippen zusammenpressen - eine feuchte Badematte, die Beine nass bis zum Bauch und diesmal außerdem viel zu wach.

Ein Teil der Klopapierreserve wird nun notgedrungen zum halbherzigen Trockenwischen missbraucht und dann bin ich wieder, ganz leise schleichend über den nachtschwarzen Flur, zurück in Richtung Bettwärme unterwegs.

 

Mit ihrer kräftigen Stimme und den Worten “ Ist da wer?” oder so ähnlich, sucht Tante Käthe emsig und behände den Lichtschalter in meiner Bauchgegend. Ich stehe vor Schreck stocksteif und noch bevor ich richtig registriere was war, hat sie, wie eine Vierzehnjährige kichernd, die Klotür hinter sich geschlossen.

 

Tante Käthe ist um die achtzig, kann aber scheinbar, bei fast völliger Finsternis, sehen und hören wie eine Eule.

 

Die Lichtschalter in dieser Wohnung sind, soweit ich mich zurückerinnere, alle ungefähr in Schulterhöhe installiert.