Richtungsweisend

Mein Nachbar schwärmte mir vor Monaten von seinem Navigationsgerät vor. Damit wäre es nun ein sehr viel entspannteres Autofahren. Auch und besonders für seine Frau. Sie müsste nun keine Karten mehr lesen und hätte zudem weniger Verantwortung zu tragen. Und lachend fügte er hinzu, sie würde ihm, nach all den Ehejahren, nun endlich mal nicht mehr sagen wo es langgeht.

 

Während eines mehrmonatigen USA - Aufenthaltes wurde in einem Leihwagen regelmäßig eines dieser sehr praktischen Teile eingesetzt. Es war dort wahrhaftig hilfreich und zum nächsten Weihnachtsfest lag dann auch ein solches Gerät auf dem Tisch. Nach Männerart wählte ich mit viel Überlegung eines mit allerlei Schnickschnack, Staumeldung bzw. Stauumfahrung und unzähligen verschiedenen Spracheinstellungen und Stimmen.

 

Nunmehr sagt mir allerdings während jeder Fahrt dieses neue NAVI-Teil, wegen der positiven USA-Erfahrung mit unbeugsamer Männerstimme und in amerikanisiertem Englisch, bis zu dreimal hintereinander nachdrücklich die vorprogrammierte Richtung an. Und vom Beifahrersitz wird beinahe jede Ampelphase und jedes eventuell relevante Verkehrsschild wenige Sekundenbruchteile vor einer Reaktion von mir angesagt. Ab und zu wird auch mal etwas als „sehr knapp“ oder „etwas zu schnell“ interpretiert. Vieles, was in der Vornavizeit üblicher Weise mit gesengtem Kopf während des Kartenlesens überhaupt nicht wahrgenommen wurde, wird jetzt geflissentlich kommentiert.

 

 

Ich habe nun also Beides. Eine Männerstimme, die mir deutlich und mehrfach wiederholend sagt wo es langgeht und zusätzlich jemanden neben mir, der mir mehr oder weniger aufgeregt mitteilt, worauf außerdem noch zu achten ist.

 

Ich fahre bereits seit einigen Jahrzehnten relativ gelassen und absolut unfallfrei, aber gestern wäre mir dieses Navigationsdingens beim Aussteigen beinahe aus der Hand gerutscht und direkt auf den Asphalt geknallt.