Angerichtet
Angerichtet

 Sie trinken angeblich Blut und essen Menschenfleisch. Auch in Europa. Bereits seit Jahrhunderten. Und es gibt keinerlei juristische Einschränkungen. Für sie ist es eine ernsthafte Angelegenheit. Ein liturgisches Ritual. Eine religiöse Zeremonie. (Er sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht das Fleisch des Menschensohns esst und sein Blut trinkt, so habt ihr kein Leben in euch.)

 

Nun ja, eigentlich tun alle Beteiligten nur so, als ob sie Blut trinken würden - es ist natürlich Wein. Und in Wahrheit essen sie selbstverständlich auch kein Menschenfleisch, sondern Brot. Als symbolische Handlung. Es ist eine althergebrachte und gewaltfreie Tradition.

 

Wäre es nicht vielleicht vorstellbar, so nach und nach dazu über zu gehen, statt ein scharfes Messer über einem wenige Tage alten Säugling zu zücken und ein kleines martialisches Blutbad anzurichten, lieber von Hand - vielleicht sogar behutsam und geduldig - eventuell eine kleine Mandarine zu schälen? Höchstens bis zur Hälfte, versteht sich. Als alternative rituelle Handlung. Symbolisch sozusagen.

Um es dann anschließend ausgiebig zu feiern. Dieses unversehrte, auf Gemeinschaft angewiesene Menschenkind.